Die drei großen Probleme von Chinas Wirtschaft im Jahr 2010

10.1.2010

Von Lang Xianping. “2009 war kein normales Jahr. Die Frage, vor der Chinas Wirtschaft steht, ist nicht, wann die Talsohle erreicht sein wird, sondern auf welcher Basis wir danach die Wirtschaft wieder auf Vordermann bringen können.

Ich stelle niemals Prognosen, aber ich muss daran erinnern, dass es keinen Grund zum Optimismus in Hinblick auf die Wirtschaftslage im Jahr 2010 gibt. Warum ich das sage hat seinen guten Grund. Welche der Lokomotiven von Chinas Wirtschaftsentwicklung zieht denn noch? Was die Konsum-Lokomotive angeht, da brauche ich nichts zu sagen, es ist ohnehin jedem klar. Was trauen sich die Leute denn noch zu konsumieren? Mit welchem Geld? Diese Lokomotive kommt nicht mehr in Gang.

Der Export – redet man vom Export, dann muß man auch über Obama reden. Der Kerl beschert uns einen Handelskrieg, einen Wechselkurskrieg und einen Kostenkrieg. Wie weit soll unsere Export-Lokomotive nach diesen drei Kriegen noch kommen? Bleibt nur noch eine Lokomotive, die die chinesische Wirtschaft voranzieht, der Aufbau von Infrastruktur. Kein Land auf der Welt wird zu einer Wirtschaftsgroßmacht, wenn es sich ausschließlich auf  nachhaltige Investitionen in die Infrastruktur stützt. In einer Situation, in der die anderen beiden Lokomotiven nicht in die Gänge kommen mit Infrastrukturmaßnahmen die Wirtschaft beleben zu wollen, das ergibt nur eine kurze Blüte.

Noch bitterer ist, dass zur fehlenden wirtschaftlichen Entwicklung noch die Inflation dazukommt. Schaut euch doch mal um: außer den Löhnen ist alles am Steigen: Das Wasser wird teurer, das Gas wird teurer, das Öl zum Kochen wird teurer, selbst die Wohnungen, deren Kauf ihr euch schon längst nicht mehr leisten könnt, werden teurer. Demnächst wird Amerika mit seinem “carbon dollar” noch eure Atemluft besteuern. Glaubt ihr, dass sich das im nächsten Jahr ändert? Wenn Ihr das glaubt, dann nennt mir Argumente. Ich möchte von euch lernen, denn ich, der Prof. Lang Xianping, kann mit meiner eigenen Weisheit nicht erkennen, dass sich nächstes Jahr etwas ändern sollte.

Und noch etwas Fatales: Man überlege - die Binnenkonsum-Lokomotive steht still, der Export zieht ohnehin schon nicht mehr, dazu noch die drei Kriege, die Genosse Obama entfesselt: düstere Aussichten! In solch einer Situation verwenden wir große Ressourcen speziell für die Infrastruktur. Wir bauen im Westen Chinas Autobahnen, auf denen dann kein Auto fahren wird und schaffen so Kapazitätsüberschüsse.

Man überlege: es werden Ressourcen gezielt für den Aufbau der Infrastruktur aufgewendet, und wer die Infrastruktur baut, das sind praktisch nur die Staatsunternehmen. Sie nehmen auf der einen Seite die Ressourcen in Beschlag, auf der anderen Seite die Finanzmittel. Die mittelständischen Unternehmen profitieren nicht davon. Was machen sie wohl in dieser Situation?

Sie investieren nicht mehr in die Realwirtschaft, da sie nach Investitionen keine Anschlussfinanzierung und auch keine guten Projekte bekommen würden. Legen sie ihr Geld auf die Bank, ist da die Inflation. Ihnen bleibt also nichts übrig als mit Immobilien und Aktien zu spekulieren und hochwertige Konsumgüter zu kaufen.

Begünstigt die Regierungspolitik den Immobilienmarkt, dann spekulieren sie mit Immobilien. Begünstigt die Regierungspolitik den Aktienmarkt, dann spekulieren sie mit Aktien. Dieses Phänomen wird am diesjährigen Boom des Wohnungsmarkts ersichtlich. Gerade in Gebieten mit einer hohen Dichte von Pleiten mittelständischer Unternehmen gab es einen erstaunlichen Anstieg der Immobilienpreise. Wenn man in Immobilien investiert, dann muss man nicht so vielen Mitarbeitern Löhne zahlen, und man muss sich auch nicht so anstrengen.

Das haben diese Unternehmer wirklich getan, mit dem Ergebnis, das die Zahl der Mitarbeiter bei den privaten Unternehmen, die für mehr als 70% der Arbeitsplätze in China stehen, drastisch gesunken ist.  Und wenn die Leute ihren Job verlieren, dann trauen sie sich noch weniger, Geld auszugeben. Und wenn der Konsum des Mannes auf der Straße nicht ansteigt, dann kommt Chinas Wirtschaftslokomotive Nummer Eins nicht in Gang. Und Genosse Obamas drei Kriege haben gerade erst begonnen, deshalb bedeutet dieser Teufelskreis eine weitere Verschlechterung des Investitionsumfelds, und auf der anderen Seite bewirkt er eine Blase beim Anlagevermögen.

Ich hoffe aufrichtig, dass China diese globale Krise unbeschadet übersteht, und ich hoffe, dass sich meine Prognose als falsch erweist. Im Ernst, wenn ich falsch liege, dann wird es zumindest allen etwas besser gehen.” Ãœbersetzung: Jessica Mayer

Quelle: Xinhuanet/Jingji Cankao Bao vom 8.1.2010.

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