Auslandsstudium wird zum Massenphänomen

10.8.2012

Auslandsstudien von Schülern und Studenten Zusammenfassung des Artikels 90后成留学主力军 调查显示6成人想去美国读书 aus der Zeitschrift “Xiaokang”, erschienen am 6.8.2012 in sina.com.

Die Zahl der im Ausland Studierenden ist in den Jahren von 2008 bis 2011 um jeweils mehr als 20% gewachsen.
Dieser dramatische Anstieg hat eine riesige Industrie rund um das Auslandsstudium entstehen lassen – die mit ihrer Werbung allgegenwärtigen Vermittlungsagenturen. Vorbereitungskurse und Sommer-Feriencamps im Ausland sind wie Pilze aus dem Boden geschossen. Mit dem Anstieg der Zahl an Auslandsstudierenden ging gleichzeitig die Zahl der Teilnehmer an der Gaokao, der landesweit einheitlichen Hochschulreifeprüfung, zurück. Während noch vor fünf Jahren die meisten als Postgraduierte ins Ausland gegangen sind, bilden heute Gymnasiasten und Bachelor-Studenten das Hauptkontingent. Die meisten von ihnen gehören der Post-90er-Generation an. Im Jahr 2002 begann der Trend, bereits als Gymnasiast ins Ausland zu gehen, sich durchzusetzen, ab 2008 nahm er explosionsartig zu. 74% gehen nach Australien, in die USA, nach Japan, England oder Kanada. Bei den Studenten sind das Finanz- und Ingenieurwesen, Computertechnologie und MBA die beliebtesten Fächer. Im Zuge des rasanten Anstiegs der Zahl von Auslandsstudierenden erkennen die Unis in Australien und Neuseeland bereits die Gaokao-Prüfungszeugnisse an. Man kann sich mit diesem direkt für ein Grundstudium anmelden. Vorher hatten die Unis einjährige Vorbereitungskurse verlangt. In einer Umfrage gaben die meisten Befragten (38%) die Bachelor-Phase als ideale Zeit für ein Auslandsstudium an. Jüngere Befragte jedoch sehen das Grundschulalter als am geeignetsten an. Unter den Eltern setzt sich immer mehr die Auffassung durch, ein Auslandsstudium sei zwingend. Fast die Hälfte der Befragten gab an, nach dem Studium als Existenzgründer nach China zurückgehen zu wollen. Eine andere Umfrage ergab, dass die Zahl der Auslandsstudierenden jedes Jahr um 25% gestiegen ist, und die Auslandsstudenten immer jünger werden. Neben der Horizonterweiterung gibt es ein weiteres wichtiges Motiv für die Entscheidung, die Kinder ins Ausland zu schicken: in den Augen vieler Eltern lässt sich mit Geld alles erreichen, entscheidend sei, dass das Kind vom Stress der Gaokao verschont bleibe. Da die Vorbereitungen auf diese Prüfungen schon früh anfangen, erscheint es vielen Eltern sinnvoll, die Kinder früh ins Ausland zu schicken. Dort seien sie freier und glücklicher und würden in den Genuss einer ausgeglicheneren Entwicklung kommen. Vielfach wird jedoch ein Identitätsverlust bei zu jungen Kindern befürchtet und für die Phase des Bachelor-Studiums als Zeitpunkt für ein Auslandsstudium plädiert. In diesem Alter seien die chinesischen kulturellen Werte bereits fest verankert, und die Gefahr des Identitätsverlusts gering. Auch wegen der Gefahr, nie als Amerikaner, sondern nur als Chinese mit der amerikanischen Staatsbürgerschaft akzeptiert zu werden, müsse man schon beim Gang ins Ausland über feste Wurzeln und eine solide Identität verfügen. Die Entwicklung der letzten Jahre hat eine Debatte um den Reformbedarf des chinesischen Bildungssystems entfacht.
Will es überleben, dann bleibt ihm nur eine durchgreifende Reform.
Jessica Mayer

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