Reichenhass

2.9.2012

Warum hassen die Chinesen ihre Reichen so sehr?
Vgl. 中国人为什么如此仇富? Blogeintrag von Zhou Chunyang 风青杨. Übersetzung: Jessica Mayer.

Vor Kurzem berichtete die Presse von dem Fall der Ermordung eines BMW-Fahrers durch einen „Reichenhasser“ durch drei Schnitte in die Kehle.

Erst kurz vor dem Verbrechen war der Reichenhasser Zhao aus der Haft entlassen worden. Wegen der Schwierigkeiten in seinem Leben war Hass auf die Gesellschaft in ihm aufgestiegen, und er war auf den Gedanken verfallen, Reiche auszurauben. Reichenhass ist in China mittlerweile zu einem verbreiteten gesellschaftlichen Phänomen geworden, es kursiert ein aufschlussreicher Witz darüber: Wenn der Nachbar auf einmal zu Geld gekommen ist und sich daraufhin ein gutes Auto kauft, würde der Amerikaner sagen: „Ich muss Geld verdienen, um mir ein noch besseres Auto kaufen zu können“. Der Japaner würde sagen: „Ich muss seine Methode des Geldverdienens studieren“, die Gedanken des Franzosen wären: „Ich möchte mir seinen Wagen ausleihen, um eine Spritztour zu machen und um Frauen zu bezirzen“, der Chinese würde jedoch sagen: „Umbringen will ich ihn, aber heute Abend zertrümmere ich erst noch sein Auto!“

Die armen Leute hassen unrechtmäßig erworbenen Reichtum

Ein wesentlicher Grund für den Sachverhalt des Reichenhasses der Chinesen liegt nicht darin, dass sie selbst arm sind und Reiche einfach hassen, sondern er liegt darin, dass der Verlauf des Reichwerdens bei einer beachtlichen Zahl von Reichen, seien es Unternehmer oder Beamte, das Licht der Öffentlichkeit scheuen muss. Seit alters her sind alle Menschen geldgierig, daran ist nichts auszusetzen. Aber „ein Edler mag geldgierig sein, aber er gelangt auf rechtschaffene Weise an sein Geld.“ Doch wie kommen Chinas Reiche zu ihrem Vermögen? Jeder hat da seinen eigenen Weg.

Beschäftigt man sich mit der Geschichte des reich und mächtig Werdens eines Teils der Chinesen, beschäftigt man sich mit der Besitzliste der habgierigen Beamten Chinas, dann sind es nur wenige, die eine weiße Weste haben. Viele Reiche sind Beamte, die im Kleid des „Dieners des Volkes“ daherkommen. Sie nutzen die Macht aus, die das Volk ihnen gegeben hat, sie sind korrupt, sie nutzen ihre Machtstellung dazu aus, sich persönlich zu bereichern, einige trauen sich sogar, das Geld für Katastrophenhilfe, für die Armutsbekämpfung und die Rentengelder zu unterschlagen.
Andere sorgen sogar dafür, dass ihre Verwandten Staatsunternehmen leiten. Ihr Jahresgehalt übersteigt eine Million. Einige haben es auf Ausschreibungen von großangelegten Bauprojekten abgesehen, wobei der Profit bei einem Zuschlag zwischen 100.000 und eine Million Yuan betragen kann. Einige mischen beim Verkauf von Staatsunternehmen mit. Sie verramschen ein Unternehmen mit einem Wert von 100 Millionen für 50 Millionen und stecken dabei zehn oder zwanzig Millionen in die eigene Tasche. Konfrontiert mit diesen den Staat ruinierenden „Dienern des Volkes“, die sich am Staatsvermögen gütlich tun und es in die eigene Tasche wandern lassen – wie können die Chinesen da die Reichen nicht hassen?

Schauen wir uns einen anderen Teil der Reichen an. Unter ihnen sind Unterwelt-Bosse, sie wüten in ihrer Provinz, in ihrer Nachbarschaft, schikanieren und unterdrücken die Leute und schrecken vor keinem Verbrechen zurück. Sobald sie ein Vermögen auf die Seite gebracht haben, verwandeln sie sich in eine prominente Persönlichkeit. Entweder spekulieren sie im Immobiliensektor, treiben bösartig die Wohnungspreise nach oben, um einen riesigen Profit einzufahren und so Abertausende einfache Leute zu „Wohnungs-Sklaven“ zu machen, die ihre Hypothek ein Leben lang nicht tilgen können. Oder es sind solche Reiche, die mit Regierungsbeamten gemeinsame Sache machen. Es gab solche, die im Zuge der Systemreform der staatseigenen und kollektiven Unternehmen öffentliches Gut in privates umwandelten, und so über Nacht zu Reichtum kamen, wobei sie verschuldeten, dass Massen von Arbeitern ihren Arbeitsplatz verloren und ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten konnten. Und es gibt solche, die Geschäfte machen mit Kloaken-Öl, mit Fleisch, in das Wasser gespritzt wurde, mit Geflügelpest-Fleisch (… )mit Melamin-Milchpulver usw.. Solche also, die auf Kosten der Gesundheit der Menschen reich werden. So ein unrechtmäßiger Reichtum, der durch Betrug, Gewalt und durch das unmoralische Umwandeln von staatlichem in privates Eigentum erlangt wird -wie können die Menschen ihn nicht verabscheuen, wie kann er für das einfache Volk nicht schändlich sein?

Der Reichenhass ist auf die Angeberei zurückzuführen

Die Angeberei der chinesischen Reichen hat ihren Höhepunkt erreicht. Ein Luxusbankett für einige Hundert Tausend Yuan pro Tisch, bei der Hochzeit der Tochter mehr als Hundert Hammer vorfahren lassen, mit 30 BMWs zum Flughafen fahren, um dort ein Haustier in Empfang zu nehmen, mehrere Millionen Yuan für ein Haustier oder ein Luxusauto ausgeben, sich eine Luxusvilla eine acht- oder neunstellige Summe kosten lassen, Frauen wie Guo Meimei, die mit ihrem Reichtum angeben und im Internet wild mit dem Reichtum prahlen. Dieser angeberische Konsum verletzt die Gefühle der einfachen Menschen. Das Geld eines beachtlichen Teils der Reichen ist nicht nur nicht sauber, es wird auch demonstrativ genossen, es nur zu genießen wäre die eine Sache, aber sie müssen damit überall noch angeben.

Wenn die Reichen keine Bildung haben und ständig den Armen ihren Reichtum vor die Nase halten und sie damit provozieren: „Wieviel Geld hast du schon, ich habe genug Geld, um dich damit zu zerschmettern. Hol’s dir doch, wenn du das schaffst“, dann verführen sie zwangsläufig die Leute dazu, ihren Reichtum zu plündern. Die Angeberei mit dem Reichtum und der Neid sind die Erbsünden des Menschen. Diese Erbsünden kommen immer in einer bestimmten Reihenfolge zum Ausdruck. Können sich die Reichen nicht beherrschen und wird die Sünde des Angebens begangen, dann zieht das die nächste Sünde, die von den Armen begangen wird, nach sich. Die Menschen voller Neid und Missgunst werden einen dann zur Strecke bringen.

Warum hasst man im Ausland die Reichen nicht?

Im Ausland hegt man gegenüber den reichen Geschäftsleuten großen Respekt und Bewunderung. Woher kommt das? Warum hasst niemand Bill Gates? Es ist im Gegenteil Hochachtung, Verehrung und Bewunderung, die ihm entgegengebracht wird, er wird als Vorbild und Ideal des Menschen angesehen. Das ist einfach zu erklären: Die Öffentlichkeit sieht in ihm das großartige Beispiel eines erfolgreichen, reichen und mächtigen Mannes.
Er ist nicht nur reich, sondern lässt es auch nicht an Mitgefühl fehlen, er hat auf seinen Fleiß und seine Anstrengung gebaut, er hat nicht mit unerlaubten Kniffen seinen eigenen Vorteil gesucht und keine Gesetzeslücken ausgenutzt. Die Allerreichsten dieser Welt sind niemals verschwenderisch, erst recht begehen sie keine Dummheiten, indem sie z.B. wetteifernd ihren Reichtum vergleichen, mit Maotai-Flaschen werfen oder Yuan-Scheine verbrennen.

Bill Gates ist nicht durch seinen familiären Hintergrund reich geworden, nicht durch Korruption oder Bestechlichkeit, nicht durch Steuerhinterziehung und nicht durch den Abfluss von Staatseigentum. Auch nicht durch den Handel mit Schmuggelware oder Betrug und Gewalt. Er hat die Armen nicht ausgebeutet, sondern hat nur auf seinen klugen Kopf und beharrliches Tüfteln an Technologien gebaut. Er hat aus dem Nichts etwas aufgebaut, sich alles selbst erkämpft. Außerdem hat er, nachdem er reich geworden war, etwas an die Gesellschaft zurückgegeben, er war sehr großzügig gegenüber den Armen und hat bereits über 20 Milliarden Dollar für wohltätige Zwecke gespendet. Zudem hat er schon längst in seinem Testament verfügt, dass 99 Prozent seines Vermögens an wohltätige Zwecke gehen. Man kann ihm gar nicht genug Respekt zollen, geschweige denn ihn hassen.

Man kann sagen, dass unter den reichen Amerikanern kein einziger Regierungsbeamte ist. Unter den Reichsten gibt es auch keinen, der sich durch Privilegien ein Riesenvermögen angehäuft hat. Eine Verfilzung zwischen Beamten und Geschäftsleuten ist in den USA kaum eine gangbare Methode, um reich zu werden. Das ist auch ein Grund dafür, warum die Amerikaner ihre Reichen nicht hassen. Die Amerikaner halten den Individualismus hoch, sie sind davon überzeugt, dass der Mensch durch eigene Anstrengung seine Ideale verwirklichen kann. Auf andere Menschen, Privilegien und Beziehungen zu bauen, um reich zu werden – das sind nicht die Wege, die die reichen Amerikaner gegangen sind.

Der eigentliche Punkt ist, dass die Amerikaner nicht darauf aus sind, über Revolutionen oder Klassenkampf die Kluft zwischen Arm und Reich zu überbrücken, sondern sie schätzen es eher, wenn die Gesellschaft gewährleistet, dass jeder die gleichen Chancen hat, sich zu entwickeln.

Wann werden die Chinesen die Reichen nicht mehr hassen?

Der Reichenhass der Chinesen ist in Wirklichkeit kein Hass gegenüber Reichtum, sondern Hass auf die Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft. Z.B. kommen die Reichen mit Geld auf die guten Bildungsinstitutionen, die Armen haben kein Geld, um die Bildungsinstitutionen auszuwählen. Die Reichen verbauen den Armen die Wege. Die Reichen bekommen mehr Kinder, sie entledigen sich des Problems, indem sie die Geldstrafen bezahlen, die Armen haben nicht das Geld dafür, sie müssen noch im siebten Monat abtreiben. Was noch mehr Leute aus dem einfachen Volk hassen, ist nicht der Reichtum selbst, sondern die Chancen der Reichen. Wenn man Geld hat, kann man sich alles kaufen: Diplome, amtliche Stellen, Jobs und sogar Rechtsdokumente. Das, was eigentlich für Arme reserviert ist, wird mit Geld gekauft.

Wann also werden die Chinesen keinen Hass mehr auf ihre Reichen haben? Die Antwort ist: Wenn ein Großteil der Menschen zur Mittelschicht gehört. Wenn das Rechtssystem soweit perfektioniert ist, dass illegal erworbener Reichtum gefährlicher ist als ein Sprung in den Feuerschlund. Wenn die öffentliche Meinung so mächtig geworden ist, dass der unmoralisch Reichgewordene eine Persona non grata geworden ist. Wenn eine Gesellschaftsordnung errichtet worden ist, in der gerechte Startbedingungen und Chancengleichheit herrschen. Wenn Arme durch Anstrengung zu Reichen werden können. Wenn die Reichen sich trauen, die Quellen ihres Reichtums offenzulegen. Wenn sie sich trauen, ihre Biographie zu veröffentlichen. Wenn sie sich zutrauen, Vorbild für die Menschen zu werden. Wenn die meisten Reichen gerne gute Taten tun und mit ihrer Wohltätigkeit der Gesellschaft etwas zurückgeben. Wenn jeder, der reich werden will, den gleichen Preis dafür bezahlen muss. Wir sind überzeugt, dass dieser Tag irgendwann kommen wird!

Erschienen in den Chinablättern am 2.9.2012

http://marcopoloproject.org/中国人为什么如此仇富-chinese-peoples-enimity-rich/

Warum hassen die Chinesen ihre Reichen so sehr?

Vor Kurzem berichtete die Presse von dem Fall der Ermordung eines BMW-Fahrers durch einen „Reichenhasser“ durch drei Schnitte in die Kehle.

Erst kurz vor dem Verbrechen war der Reichenhasser Zhao aus der Haft entlassen worden. Wegen der Schwierigkeiten in seinem Leben war Hass auf die Gesellschaft in ihm aufgestiegen, und er war auf den Gedanken verfallen, Reiche auszurauben. Reichenhass ist in China mittlerweile zu einem verbreiteten gesellschaftlichen Phänomen geworden, es kursiert ein aufschlussreicher Witz darüber: Wenn der Nachbar auf einmal zu Geld gekommen ist und sich daraufhin ein gutes Auto kauft, würde der Amerikaner sagen: „Ich muss Geld verdienen, um mir ein noch besseres Auto zu kaufen“. Der Japaner würde sagen: „Ich muss seine Methode des Geldverdienens studieren“, die Gedanken des Franzosen wären: „Ich möchte mir seinen Wagen ausleihen, um eine Spritztour zu machen und um Frauen zu bezirzen“, der Chinese würde jedoch sagen: „Umbringen will ich ihn, aber heute Abend zertrümmere ich erst noch seinen Wagen!“

Die armen Leute hassen unrechtmäßig erworbenen Reichtum

Ein wesentlicher Grund für den Sachverhalt des Reichenhasses der Chinesen liegt nicht darin, dass sie selbst arm sind und Reiche einfach hassen, sondern er liegt darin, dass der Verlauf des Reichwerdens bei einer beachtlichen Zahl von Reichen, seien es Unternehmer oder Beamte, das Licht der Öffentlichkeit scheuen muss. Seit alters her sind alle Menschen geldgierig, daran ist nichts auszusetzen. Aber „ein Edler mag geldgierig sein, aber er gelangt auf rechtschaffene Weise an sein Geld.“ Doch wie kommen Chinas Reiche zu ihrem Vermögen? Jeder hat da seinen eigenen Weg.

Beschäftigt man sich mit der Geschichte des reich und mächtig Werdens eines Teils der Chinesen, beschäftigt man sich mit der Besitzliste der habgierigen Beamten Chinas, dann sind es nur wenige, die eine weiße Weste haben. Viele Reiche sind Beamte, die im Kleid des „Dieners des Volkes“ daherkommen. Sie nutzen die Macht aus, die das Volk ihnen gegeben hat, sie sind korrupt, sie nutzen ihre Machtstellung dazu aus, sich persönlich zu bereichern, einige trauen sich sogar, das Geld für Katastrophenhilfe, für die Armutsbekämpfung und die Rentengelder zu unterschlagen.
Andere sorgen sogar dafür, dass ihre Verwandten Staatsunternehmen leiten. Ihr Jahresgehalt übersteigt eine Million. Einige haben es auf Ausschreibungen von großangelegten Bauprojekten abgesehen, wobei der Profit bei einem Zuschlag zwischen 100.000 und eine Million Yuan betragen kann. Einige mischen beim Verkauf von Staatsunternehmen mit. Sie verramschen ein Unternehmen mit einem Wert von 100 Millionen für 50 Millionen und stecken dabei zehn oder zwanzig Millionen in die eigene Tasche. Konfrontiert mit diesen den Staat ruinierenden „Dienern des Volkes“, die sich am Staatsvermögen gütlich tun und es in die eigene Tasche wandern lassen – wie können die Chinesen da die Reichen nicht hassen?

Schauen wir uns einen anderen Teil der Reichen an. Unter ihnen sind Unterwelt-Bosse, sie wüten in ihrer Provinz, in ihrer Nachbarschaft, schikanieren und unterdrücken die Leute und schrecken vor keinem Verbrechen zurück. Sobald sie ein Vermögen auf die Seite gebracht haben, verwandeln sie sich in eine prominente Persönlichkeit. Entweder spekulieren sie im Immobiliensektor, treiben bösartig die Wohnungspreise nach oben, um einen riesigen Profit einzufahren und so Abertausende einfache Leute zu „Wohnungs-Sklaven“ zu machen, die ihre Hypothek ein Leben lang nicht tilgen können. Oder es sind solche Reiche, die mit Regierungsbeamten gemeinsame Sache machen. Es gab solche, die im Zuge der Systemreform der staatseigenen und kollektiven Unternehmen öffentliches Gut in privates umwandelten, und so über Nacht zu Reichtum kamen, wobei sie verschuldeten, dass Massen von Arbeitern ihren Arbeitsplatz verloren und ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten konnten. Und es gibt solche, die Geschäfte machen mit Kloaken-Öl, mit Fleisch, in das Wasser gespritzt wurde, mit Geflügelpest-Fleisch (… )mit Melamin-Milchpulver usw.. Solche also, die auf Kosten der Gesundheit der Menschen reich werden. So ein unrechtmäßiger Reichtum, der durch Betrug, Gewalt und durch das unmoralische Umwandeln von staatlichem in privates Eigentum erlangt wird -wie können die Menschen ihn nicht verabscheuen, wie kann er für das einfache Volk nicht schändlich sein?

Der Reichenhass ist auf die Angeberei zurückzuführen

Die Angeberei der chinesischen Reichen hat ihren Höhepunkt erreicht. Ein Luxusbankett für einige Hundert Tausend Yuan pro Tisch, bei der Hochzeit der Tochter mehr als Hundert Hammer vorfahren lassen, mit 30 BMWs zum Flughafen fahren, um dort ein Haustier in Empfang zu nehmen, mehrere Millionen Yuan für ein Haustier oder ein Luxusauto ausgeben, sich eine Luxusvilla eine acht- oder neunstellige Summe kosten lassen, Frauen wie Guo Meimei, die mit ihrem Reichtum angeben und im Internet wild mit dem Reichtum prahlen. Dieser angeberische Konsum verletzt die Gefühle der einfachen Menschen. Das Geld eines beachtlichen Teils der Reichen ist nicht nur nicht sauber, es wird auch demonstrativ genossen, es nur zu genießen wäre die eine Sache, aber sie müssen damit überall noch angeben.

Wenn die Reichen keine Bildung haben und ständig den Armen ihren Reichtum vor die Nase halten und sie damit provozieren: „Wieviel Geld hast du schon, ich habe genug Geld, um dich damit zu zerschmettern. Hol’s dir doch, wenn du das schaffst“, dann verführen sie zwangsläufig die Leute dazu, ihren Reichtum zu plündern. Die Angeberei mit dem Reichtum und der Neid sind die Erbsünden des Menschen. Diese Erbsünden kommen immer in einer bestimmten Reihenfolge zum Ausdruck. Können sich die Reichen nicht beherrschen und wird die Sünde des Angebens begangen, dann zieht das die nächste Sünde, die von den Armen begangen wird, nach sich. Die Menschen voller Neid und Missgunst werden einen dann zur Strecke bringen.

Warum hasst man im Ausland die Reichen nicht?

Im Ausland hegt man gegenüber den reichen Geschäftsleuten großen Respekt und Bewunderung. Woher kommt das? Warum hasst niemand Bill Gates? Es ist im Gegenteil Hochachtung, Verehrung und Bewunderung, die ihm entgegengebracht wird, er wird als Vorbild und Ideal des Menschen angesehen. Das ist einfach zu erklären: Die Öffentlichkeit sieht in ihm das großartige Beispiel eines erfolgreichen, reichen und mächtigen Mannes.
Er ist nicht nur reich, sondern lässt es auch nicht an Mitgefühl fehlen, er hat auf seinen Fleiß und seine Anstrengung gebaut, er hat nicht mit unerlaubten Kniffen seinen eigenen Vorteil gesucht und keine Gesetzeslücken ausgenutzt. Die Allerreichsten dieser Welt sind niemals verschwenderisch, erst recht begehen sie keine Dummheiten, indem sie z.B. wetteifernd ihren Reichtum vergleichen, mit Maotai-Flaschen werfen oder Yuan-Scheine verbrennen.

Bill Gates ist nicht durch seinen familiären Hintergrund reich geworden, nicht durch Korruption oder Bestechlichkeit, nicht durch Steuerhinterziehung und nicht durch den Abfluss von Staatseigentum. Auch nicht durch den Handel mit Schmuggelware oder Betrug und Gewalt. Er hat die Armen nicht ausgebeutet, sondern hat nur auf seinen klugen Kopf und beharrliches Tüfteln an Technologien gebaut. Er hat aus dem Nichts etwas aufgebaut, sich alles selbst erkämpft. Außerdem hat er, nachdem er reich geworden war, etwas an die Gesellschaft zurückgegeben, er war sehr großzügig gegenüber den Armen und hat bereits über 20 Milliarden Dollar für wohltätige Zwecke gespendet. Zudem hat er schon längst in seinem Testament verfügt, dass 99 Prozent seines Vermögens an wohltätige Zwecke gehen. Man kann ihm gar nicht genug Respekt zollen, geschweige denn ihn hassen.

Man kann sagen, dass unter den reichen Amerikanern kein einziger Regierungsbeamte ist. Unter den Reichsten gibt es auch keinen, der sich durch Privilegien ein Riesenvermögen angehäuft hat. Eine Verfilzung zwischen Beamten und Geschäftsleuten ist in den USA kaum eine gangbare Methode, um reich zu werden. Das ist auch ein Grund dafür, warum die Amerikaner ihre Reichen nicht hassen. Die Amerikaner halten den Individualismus hoch, sie sind davon überzeugt, dass der Mensch durch eigene Anstrengung seine Ideale verwirklichen kann. Auf andere Menschen, Privilegien und Beziehungen zu bauen, um reich zu werden – das sind nicht die Wege, die die reichen Amerikaner gegangen sind.

Der eigentliche Punkt ist, dass die Amerikaner nicht darauf aus sind, über Revolutionen oder Klassenkampf die Kluft zwischen Arm und Reich zu überbrücken, sondern sie schätzen es eher, wenn die Gesellschaft gewährleistet, dass jeder die gleichen Chancen hat, sich zu entwickeln.

Wann werden die Chinesen die Reichen nicht mehr hassen?

Der Reichenhass der Chinesen ist in Wirklichkeit kein Hass gegenüber Reichtum, sondern Hass auf die Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft. Z.B. kommen die Reichen mit Geld auf die guten Bildungsinstitutionen, die Armen haben kein Geld, um die Bildungsinstitutionen auszuwählen. Die Reichen verbauen den Armen die Wege. Die Reichen bekommen mehr Kinder, sie entledigen sich des Problems, indem sie die Geldstrafen bezahlen, die Armen haben nicht das Geld dafür, sie müssen noch im siebten Monat abtreiben. Was noch mehr Leute aus dem einfachen Volk hassen, ist nicht der Reichtum selbst, sondern die Chancen der Reichen. Wenn man Geld hat, kann man sich alles kaufen: Diplome, amtliche Stellen, Jobs und sogar Rechtsdokumente. Das, was eigentlich für Arme reserviert ist, wird mit Geld gekauft.

Wann also werden die Chinesen keinen Hass mehr auf ihre Reichen haben? Die Antwort ist: Wenn ein Großteil der Menschen zur Mittelschicht gehört. Wenn das Rechtssystem soweit perfektioniert ist, dass illegal erworbener Reichtum gefährlicher ist als ein Sprung in den Feuerschlund. Wenn die öffentliche Meinung so mächtig geworden ist, dass der unmoralisch Reichgewordene eine Persona non grata geworden ist. Wenn eine Gesellschaftsordnung errichtet worden ist, in der gerechte Startbedingungen und Chancengleichheit herrschen. Wenn Arme durch Anstrengung zu Reichen werden können. Wenn die Reichen sich trauen, die Quellen ihres Reichtums offenzulegen. Wenn sie sich trauen, ihre Biographie zu veröffentlichen. Wenn sie sich zutrauen, Vorbild für die Menschen zu werden. Wenn die meisten Reichen gerne gute Taten tun und mit ihrer Wohltätigkeit der Gesellschaft etwas zurückgeben. Wenn jeder, der reich werden will, den gleichen Preis dafür bezahlen muss. Wir sind überzeugt, dass dieser Tag irgendwann kommen wird!

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