Die Vorteile des freien Handels mit Boden

29.12.2012

Die Vorteile des freien Handels mit Boden Quelle: 允许土地自由交易的好处 (ftchinese.com). Von Mao Yushi 茅于轼 Übersetzung: Jessica Mayer.

Zwar verfügt China über eine 9,6 Mio. Quadratkilometer große Fläche, doch sind nur 12% davon verwertbares Flachland. Japan ist als bergiges Land bekannt, aber seine Ebenen machen 24% der gesamten Fläche aus. Boden ist ein wesentlicher Produktionsfaktor, und wenn er knapp ist, dann wird von allen Seiten um das Land gekämpft. Hier hat die Landwirtschaft einen prioritären Rang bekommen. Der Staat hat ihr zum Anbau eine Fläche zugewiesen, die nicht unter 120,06 Mio. Hektar sinken darf. Die Nutzung des restlichen Bodens ist jedoch mit enormen Hindernissen behaftet. Die Kämpfe darum werden oft sehr heftig geführt, und die Dispute um Land sind eines der wichtigsten Gründe für Petitionen an höhere Instanzen.
Bei den Verteilungskanälen des geltende Land-Systems ist die Rolle der Regierung sehr stark, oder man kann sagen, die Staatsmacht bzw. der Plan verfügen über die Land-Allokation, nicht der Markt. Folglich ist die Effizienz extrem gering, und die Widersprüche sind äußerst groß. Die Quelle von Chinas nächstem Wirtschaftswachstum wird sein, dass die Ressourcen besser alloziiert werden müssen, alle Talente müssen voll zum Einsatz kommen, und die Ressourcen müssen bestmöglich genutzt werden. Die jetzige Zuteilung durch die Staatsmacht verfehlt dieses Ziel weit. Deshalb liegt ein Hauptpotential für das Aufschließen Chinas zu den Industrienationen in der Erhöhung der Fluktuation der Landnutzungsrechte. Fluktuation der Landnutzungsrechte meint hier einen geregelten freien Boden-Handel. Insbesondere sollen die Bauern das Recht erhalten, mit dem Land, das sie besitzen, zu handeln.

Ein Aspekt des enormen Wandels innerhalb von Chinas Wirtschaftsreformen ist das sich zunehmend verschärfende Problem der 40% der Bevölkerung ausmachenden Landbevölkerung. Die Entwicklungstendenzen bei der Landbevölkerung sind sowohl entscheidend für das Wirtschaftswachstum als auch ein sozialer Brennpunkt. Die Hauptprobleme der Landbevölkerung sind: niedriges Einkommen, die Schwierigkeit, dauerhaft Stadtbürger zu werden, fehlender effizienter Schutz des eigenen Bodens und die Verletzung ihrer Eigentumsrechte.

In Taiwan und Japan sind die Bauern die reichste soziale Schicht. Der Grund liegt darin, dass sie Boden besitzen, und dass dieser Boden innerhalb der rechtlichen Rahmenbedingungen frei gehandelt werden kann. Die chinesische Landbevölkerung verfügt auch über eigenen Boden, aber sie darf nicht frei mit ihm handeln. Das ist der Hauptgrund für die Armut der Landbevölkerung in China. Was passiert, wenn man sie frei mit ihrem Land handeln lässt, wenn sie mit den Developern den Preis über ihr Land frei verhandeln können?

Erstens würde das Vermögen der Landbevölkerung stark anwachsen. Der Hauptgrund für Chinas Kluft zwischen Arm und Reich ist die Armut der Landbevölkerung. Wenn man das Problem dieser Armut löst, lindert man das Problem der Einkommensschere enorm und löst damit eins der Kernprobleme von Chinas Gesellschaft.

Zweitens würden die Boden- und Wohnungspreise drastisch fallen. Dass die Wohnungspreise heute hoch sind, liegt am teuren Boden. Der Boden ist deswegen teuer, weil die Regierungen den Bauern ihren Boden zu niedrigen Preisen abnehmen und ihn dann im Auktionsverfahren teuer verkaufen, um sich die Preisdifferenz einzustreichen. Die Wertsteigerung des Bodens wird also zu einem Großteil von den Regierungen abgeschöpft. Die Regierungen monopolisieren das Angebot an Boden. Könnten die bisher auf sich gestellten Bauern ihren eigenen Boden in einer Wettbewerbssituation verkaufen, dann würden die Bodenpreise im Vergleich zu den jetzigen Preisen drastisch fallen, die Einnahmen der Bauern aus den Verkäufen ihres eigenen Landes jedoch würden deutlich steigen. Wären die Bodenpreise so, wie sie sein sollten, dann würden in der Folge auch die Wohnungspreise sinken. Der Staatsrat versucht alles, um die Wohnungspreise zu drücken, mit mäßigem Erfolg, und er wurde dazu noch viel kritisiert. Wenn der Boden frei handelbar wäre, würden die Preise durch den fairen Marktwettbewerb bestimmt, und niemand würde das kritisieren. Außerdem könnten die Wohnungspreise sich wieder auf einem angemessenen Level einpendeln.

Drittens hätten bei sinkenden Wohnungspreisen in der Stadt und steigenden Einkommen der Landbevölkerung die in die Stadt kommenden Wanderarbeiter eine Chance, sich eine Wohnung zu mieten oder zu kaufen und so zu richtigen Stadtbürgern zu werden. Chinas Urbanisierung könnte dann stark beschleunigt werden. Ohne solche Veränderungen würden die Wanderarbeiter selbst nach 30 Jahren kaum zu Stadtbürgern, denn es wäre zu schwer, mit ihrem mickrigen Lohn eine Wohnung zu mieten oder gar zu kaufen. Würden die Wanderarbeiter zu richtigen Stadtbürgern, dann würde das weltweit einmalige massenhafte Hin- und Herreisen zum Chinesischen Frühlingsfest allmählich aufhören.

Viertens: Wenn die Wanderarbeiter endgültig in die Stadt ziehen, dann werden die Familien wieder vereinigt und damit die Gesellschaft stabilisiert. Die heutige nicht sesshafte Bevölkerung von über 200 Mio. Menschen stellt einen destabilisierenden Faktor für die Ehen auf dem Land dar. Das beeinträchtigt nicht nur das Heranwachsen und die Bildung der nächsten Generation, sondern erhöht auch die Streitigkeiten. Die gesellschaftlichen Kosten steigen.

Die in den Städten lebenden alleinstehenden Wanderarbeiter sind ebenso ein Faktor der sozialen Destabilisierung. Die Kriminalität in der Stadt hat meistens mit der nicht sesshaften Bevölkerung zu tun. Würden aus diesen Alleinstehenden Familienmitglieder werden, fiele die Kriminalitätsrate drastisch.

Fünftens: Die Erhöhung des Einkommens der Landbevölkerung würde sich günstig auf den Binnenkonsum auswirken, was das Problem der nicht optimalen BIP-Struktur beheben würde. Die Verwendungsseite des chinesischen BIP sind äußerst verzerrt, weil das Einkommen der Landbevölkerung niedrig ist. Und diese wiederum macht 40% der Bevölkerung aus. Der niedrige Konsum dieses Teils der Menschen führt dazu, dass auf makroökonomischer Ebene der Konsum nicht auf die Beine kommt. Wenn man das Einkommensproblem der Landbevölkerung nicht löst, dann wird der Konsum immer niedrig bleiben, die Investitionen werden immer hoch bleiben, die Produktion wird immer unter Überkapazitäten leiden, die Struktur wird immer verzerrt bleiben und das Ausmaß der Verzerrung wird immer größer werden. Niedriger Konsum und hohe Investitionen stehen in einem komplementären Verhältnis zueinander. Durch den niedrigen Konsum kommt es zwangsläufig zu hohen Investitionen, durch hohe Investitionen kommt es zwangsläufig zu Überkapazitäten, durch die Überkapazitäten können die unverkäuflichen Produkte nur für erneute Investitionen verwendet werden. Nur wenn man das Einkommen der Landbevölkerung erhöht, kann dieser Teufelskreis durchbrochen werden.

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