Tigermutter probiert neue Methode

15.9.2013

Um die Unabhängigkeit ihrer Tochter zu fördern, belügt eine Mutter sie mehr als 10 Jahre, indem sie vorgibt, nicht ihre leibliche Mutter zu sein
Übersetzung: Jessica Mayer. Quelle: 母亲为培养女儿独立性 十几年来谎称不是亲妈 (sina.com/sina.com)

Aus Angst, ein gutes Familienumfeld würde die Tochter verwöhnen, fiel der Mutter ein extremes Mittel ein: Für die Entwicklung der Tochter stellte sie sich 13 Jahre lang tot.

Frau Shen und ihr Mann haben beide einen guten Job, sie leben in guten Verhältnissen. Aus Angst, die Tochter könne in so einem Umfeld verweichlicht werden, wurde ihr vorgetäuscht, sie sei nicht das leibliche Kind ihrer Eltern und ihre leibliche Mutter sei längst gestorben. Daraufhin wurde die Tochter äußerst selbständig, ihre schulischen Leistungen verbesserten sich sprunghaft und ihre selbstgefällige und verzärtelte Art verschwand fast ganz. Erst als die Tochter geheiratet und zu arbeiten angefangen hatte und bereits Erfolge erzielt hatte, sagte sie ihr die Wahrheit. Am 10. September interviewte die Shenyang Wanbao (Abendzeitung von Shenyang) die Mutter. Die Meinungen der Experten zu dieser unüblichen Erziehungsmethode gehen auseinander.

Die Warnung: „Ich bin nicht deine leibliche Mutter.“
„Deine Mutter ist gestorben, ich bin nicht deine leibliche Mutter. Vor mehr als zehn Jahren sagte Frau Shen zu ihrer Tochter Chengcheng, die gerade in die vierte Grundschulklasse gekommen war: „Ich werde nur für deine Schulausbildung und dein Universitätsstudium sorgen, denk nicht, dass du danach auf mich zählen kannst!“ Das Kind konnte das nicht glauben, hat gelacht und gesagt: „Mutter, das ist nicht wahr, oder? Du machst doch einen Witz?!“ Frau Shens Worte klangen aber entschieden, und Chengcheng war zuletzt vollkommen durcheinander.

Der Schlag: Die Tochter scheint wie ausgewechselt

Von da an schien Chengcheng wie ausgewechselt, sie lernte akribisch, arbeitete hart und unermüdlich, und ihre schulischen Leistungen verbesserten sich sprunghaft. Ursprünglich waren ihre Leistungen nur etwas über dem Durchschnitt, nun aber gehörte sie im Nu zu den fünf Klassenbesten. Das Stolze und Verzärtelte an ihr verschwand fast ganz, sie wurde vernünftig und gehorsam. Vor der Prüfung zur Sekundarstufe bewarb sie sich für die „Mittelschule Nummer 20“. Von ihrer Mutter nach dem Grund befragt, meinte sie, dort könne sie ein Jahr lang im Internet leben, sie wolle das selbständige Leben erlernen. Ihre Hochschulprüfung fiel in das Jahr von SARS. Die Kurse in der Schule wurden ständig unterbrochen, aber Chengcheng verpasste den Unterricht an keinem einzigen Tag. In jenem Jahr wurde sie mit 519 Punkten von der Eisenbahn-Akademie von Dalian aufgenommen. Während der vier Jahre ihres Studiums lernte Chengcheng akribisch, sie bekam immer Stipendien. Nie jobbte sie nebenbei, denn sie befürchtete, das könnte ihr Lernen beeinträchtigen. Dank ihrer herausragenden Leistungen wurde sie nach ihrem Abschluss von einer Shanghaier Software-Firma eingestellt.

Die Ãœberraschung: Die Tochter glaubt die Wahrheit nicht
Als sich bei der Tochter beruflicher Erfolg eingestellt hatte und sie völlig auf eigenen Beinen stand, meinte Frau Shen, jetzt sei die Zeit gekommen, ihr die Wahrheit zu sagen. „Weißt du, deine Mutter ist gar nicht gestorben, ich bin deine leibliche Mutter!“ Aber Chengcheng wusste nicht, was sie glauben sollte: „Ist das wahr?“

Frau Shen sagte: „Ich habe dir damals gesagt, du seist nicht meine leibliche Tochter, um dich zum Lernen anzustacheln, damit du einige Schwächen ablegst, gut lernst und dann später eine gute Arbeit findest. Du musst wissen, dass ich es gut mit dir meinte!“
Am Telefon erzählte Frau Shen den Journalisten stolz: „Meine Tochter ist hübsch, und jetzt hat sie Erfolg im Beruf. Kaum hat sie die Stelle, schon verdient sie im Monat über 6000 Yuan. Außerdem hat sie einen guten Mann geheiratet. Da können Sie sich vorstellen, wie glücklich ich bin!“
Nach dem Interview sagte Frau Shen: „Wahrscheinlich gibt es Leute, die meine Erziehungsmethode nicht befürworten, aber hätte ich sie damals nicht so angestachelt, dann hätte sie sich mit den Verhältnissen bei uns zu Hause zufriedengegeben, dann wäre sie nicht so ehrgeizig geworden und hätte jetzt nicht so eine aussichtsreiche Zukunft vor sich.

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