Archiv für 'CB Materialien'

Patriotismus und Liebe zur Partei sind in China deckungsgleich (aktualisiert)

Wednesday, 24.9.2014

Patriotismus und Liebe zur Partei sind in China deckungsgleich
Von Chen Xiankui 陈先奎

Die „Global Times“ hat zur Frage „Geht Liebe zum Land auch ohne Liebe zur Partei?“ einen Leitartikel veröffentlicht. Read the rest of this entry »


Der politische Zusammenbruch nimmt oft bei der Ideologie seinen Anfang (aktualisiert)

Thursday, 10.4.2014

Update: Ideology Work Must Be Grasped Tightly (mit chin. Text) (China Copyright and Media/Qiushi).

Eine im Netz kursierende scharfe Rede von Xi Jinping Rohübersetzung von Jessica Mayer. Vgl. 网传习近平讲话全文 杀气腾腾 (iask.ca/Duowei).

Am 19. August wurde die nationale Konferenz zur Propaganda- und Ideologie-Arbeit in Peking abgehalten. Der Generalsekretär des ZK der KP Chinas Xi Jinping wohnte der Konferenz bei und hielt eine wichtige Rede. Read the rest of this entry »


Urbanisierung und Hukou

Friday, 20.12.2013

Die Zuzugsbestimmungen in Peking, Shanghai, Kanton und Shenzhen werden wahrscheinlich verschärft, die Zuzugs-Beschränkungen in den kleinen Städten werden vollständig aufgehoben
Übersetzung: Jessica Mayer. Quelle: 北上广深落户政策或将收紧 小城市全面放开限制 (163.com/Zhongguo Xinwen Wang).

Die vor kurzem abgehaltene zentrale Arbeitskonferenz zur Urbanisierung hat den Weg einer abgestuften Urbanisierung gewisen. Die Zuzugsbeschränkungen für nominelle Städte und kleine Städte wurden vollständig aufgehoben, die für mittlere Städte werden in einem geordneten Prozess aufgehoben, und Niederlassungsvoraussetzungen in Großstädten werden in angemessener Form festgelegt, wobei die Bevölkerungszahl in den Megacities streng unter Kontrolle zu halten ist. Für Analysten sieht es nach einer baldigen Liberalisierung der Haushaltsregistrierung in kleinen und mittleren Städten aus., wobei die Zuzugs-Politik für Städte der ersten Riege wie Peking, Shanghai, Kanton und Shenzhen wahrscheinlich noch verschärft wird.

Der Weg der abgestuften Urbanisierung wird klar dargelegt. Die Zuzugs-Politik in Megacities wird eventuell verschärft.

Journalisten merkten an, dass der auf dieser zentralen Arbeitskonferenz aufgezeigte Weg der abgestuften Urbanisierung abweicht von der Formulierung im „Arbeitsbericht des Staatsrats zum Aufbau der Urbanisierung“. Letzterer war von dem Vorsitzenden der Nationalen Kommission für Entwicklung und Reform, Xu Shaoshi, im Juni dem Ständigen Ausschuss des Nationalen Volkskongresses vorgelegt worden. In dem Bericht heisst es wörtlich „die Niederlassungsbeschränkungen in nominellen und kleinen Städten sind vollständig aufzuheben, die Beschränkungen in mittleren Städten sind in einem geordneten Prozess aufzuheben, die Niederlassungsvoraussetzungen in großen Städten sind Schritt für Schritt zu lockern, und es sind geeignete Niederlassungsvoraussetzungen für die Megacities festzulegen.“

Die zwei wesentlichen Änderungen: Aus „die Niederlassungsvoraussetzungen in großen Städten sind Schritt für Schritt zu lockern, und es sind geeignete Niederlassungsvoraussetzungen für die Megacities festzulegen“ wurde „die Niederlassungsvoraussetzungen in Großstädten werden in angemessener Form festgelegt, wobei die Bevölkerungszahl in den Megacities streng unter Kontrolle zu halten ist“.

Das bedeutet, dass die kleinen und mittleren Städte Schwerpunkt und Hauptrichtung bei der Entwicklung dieser Urbanisierung neuen Typs bilden werden.

Zheng Mingmei, Vize-Vorsitzender der Abteilung für strategische Planung des Zentrums für Reform und Entwicklung von Städten und Kleinstädten bei der Nationalen Kommission für Reform und Entwicklung äußerte im Interview mit Zhongxin Wang: Eine Folge der Stufen-Einteilung des Verwaltungssystems der Städte ist es, dass in China die kleinen und mittleren Städte noch nicht ausreichend entwickelt sind. Die Kosten einer Urbanisierung der Bevölkerung in diesen Städten sind aber verglichen mit denen in den großen Städten viel geringer. Deshalb ist es die Richtung der Politik, schwerpunktmäßig die kleinen und mittleren Städte zu entwickeln und die Ressourcen von den großen Städten hin zu den kleinen und mittleren umzulenken.

Zheng Mingmei wies darauf hin, dass die Megacities Peking, Shanghai und Kanton nicht noch mehr Menschen aufnehmen können. Das Problem der „Städte-Krankheiten“ wird immer deutlicher, z.B. das Problem des immer schlimmer werdenden Smogs. Deshalb ist es absolut notwendig, dass man neben der Aufhebung der Niederlassungsbeschränkungen in kleinen und mittleren Städten gleichzeitig die Bevölkerungszahl in den Megacities unter Kontrolle behält.

Guan Qingyou, Vizedirektor des Forschungsinstituts für Wertpapiere bei der Minsheng-Bank und Senior Research Fellow für Makroökonomie ist der Ansicht, dass dies eine sehr baldige Aufhebung der Wohnregistrierung in kleinen und mittleren Städten wahrscheinlich mache, und Ye Yijian, Vorsitzender des Phoenix City and Tourism Research Institutes meint, dass zu erwarten sei, dass die Niederlassungsbestimmungen in Städten der ersten Riege wie Shanghai und Kanton in Zukunft weiter verschärft würden.

Die Erhöhung des Urbanisierungsgrades der registrierten Bevölkerung wird das Problem der Semi-Urbanisierung lösen

Die Konferenz forderte zudem: Man muss den Menschen in den Mittelpunkt stellen, beim Vorantreiben der Urbanisierung muss der Mensch im Mittelpunkt stehen, der Bildungsstand der städtischen Bevölkerung und die Lebensqualität der Menschen müssen angehoben werden. Hierbei ist die wesentliche Aufgabe, zu fördern, dass diejenigen dauerhaften Einwohner, die in der Lage sind, in der Stadt einer festen Arbeit nachzugehen und ein geregeltes Leben zu führen, auf geregelte Weise zu vollen Bürgern werden. Bei allem geht es darum, die Qualität der Urbanisierung zu erhöhen und den Urbanisierungsgrad der registrierten Bevölkerung stetig zu erhöhen.

Hinter dieser Forderung steht die Tatsache, dass Chinas Urbanisierungsrate der registrierten Bevölkerung weit unter der Urbanisierungsrate der Gesamtbevölkerung liegt. Zahlen des Nationalen Statistikamtes zeigen, dass Chinas Urbanisierungsrate 2012 bereits 52,57% erreicht hat, während die Urbanisierungsrate der registrierten Bevölkerung bei lediglich etwa 35% liegt.

Unter diesem Phänomen der Semi-Urbanisierung kommen die in der Statistik der Stadtbevölkerung erfassten über 200 Mio Wanderarbeiter und ihre mitziehenden Angehörigen nicht in den gleichberechtigten Genuss grundlegender öffentlicher Dienstleistungen wie Bildung, Arbeit, medizinische Versorgung, Altersversorgung und Sozialwohnungen.

Im Interview mit der Zhongxin Wang sagt Yi Peng, Vorsitzender des Forschungszentrums zur Urbanisierung am internationalen Finanzforum, die neuartige Urbanisierung werde sich stets um den Menschen drehen, die Reform des Systems der Haushaltsregistrierung sei das Gebot der Stunde. Man müsse über Systemreformen wie die der Haushaltsregistrierung die schrittweise Überwandlung von der halbgaren/nicht vollständig entwickelten Schicht der derzeit über 200 Mio Wanderarbeiter hin zu vollen Bürgern fördern. Man muss ihnen gleichberechtigten Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen verschaffen.

Die Konferenz betont insbesondere, dass die Urbanisierung ein natürlicher historischer Vorgang ist, dass er ein wirtschaftlicher und sozialer Entwicklungsprozess ist, der für Chinas Entwicklung zwangsläufig anstehe.

Das Vorantreiben von Chinas Urbanisierung muss von den nationalen Gegebenheiten in der Anfangsphase von Chinas Sozialismus ausgehen, es muss den Notwendigkeiten folgen, man muss sich angemessen auf die Situation einstellen, um die Urbanisierung zu einem Entwicklungsprozess zu machen, bei dem sich die Erfolge zur rechten Zeit einstellen.

Guang Qingyou meint, dass, wenn die Zentrale betont, die Urbanisierung sei ein natürlicher historischer Prozess, dann bedeutet dies in Wirklichkeit eine Negierung der Philosophie des künstlichen Städtebaus, des großangelegten Abreissens und Umsiedelns.
Yi Peng weist auch darauf hin, dass die Urbanisierung neuen Typs ganz klar verlangt, man müsse der Situation angemessen vorgehen und die Probleme würden sich dann rechtzeitig lösen. Das bedeutet, dass man sich nicht auf die Urbanisierungsrate versteifen soll, und dass man bei der Evaluierung der Regionalregierungen nicht starr die Urbanisierungsrate als Kriterium hernehmen soll.

Es verdient noch Beachtung, dass auf der Konferenz auch ein „Nationaler Plan zur Urbanisierung neuen Typs“ besprochen wurde, die beteiligten Stellen werden auf der Basis der Diskussionen während dieser Konferenz noch Modifikationen vornehmen.

Fachleute meinen, dass der „Nationale Plan zur Urbanisierung neuen Typs“ nach seiner Modifikation wahrscheinlich im nächsten Jahr zur Veröffentlichung ansteht, da dieses Jahr nur noch einen halben Monat Spielraum biete. Nach dem Zustandekommen dieses auf höchster Ebene konzipierten Entwurfs wird erwartet, dass 2104 das Startjahr sein wird, in dem Chinas Urbanisierung neuen Typs auf den Weg gebracht wird. Read the rest of this entry »


Konferenz zur Wirtschaftsarbeit

Sunday, 15.12.2013

Vgl. 中央经济工作会议闭幕 确定明年六大工作任务 (Zhengquan Shibao Wang, Securities Times, 13.12.2013). Übersetzung: Jessica Mayer.

Die zentrale Konferenz zur Wirtschaftsarbeit fand vom 10. bis zum 13. Dezember in Peking statt.
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“Tuhao土豪” – eine gesellschaftliche und kulturelle Methapher

Saturday, 16.11.2013

Tuhao土豪” - eine gesellschaftliche und kulturelle Methapher Quelle: “土豪” 的社会与文化隐喻 (Xinhua). Von Zhang Tianpan 张天潘. Ãœbersetzung: Jessica Mayer.

“Tuhao, lass uns Freundschaft schließen!”  Das ist ein verbreiteter aktueller Spruch im Internet, den jeder versteht. Das in diesem Spruch vorkommende Wort “Tuhao” ist im Internet vollends ubiquitär. Read the rest of this entry »


Das Hukou-System ist Chinas größte Urbanisierungsbremse

Friday, 15.11.2013

Das Hukou-System ist Chinas größte Urbanisierungsbremse
Quelle: 户口制度是中国城市化的最大障碍 von Han Biru 韩碧如. Übersetzung: Jessica Mayer.

Dem 16-jährigen Yang Hui ist sterbenslangweilig, und seine der Schrift nahezu unkundigen Großeltern werden mit ihm nicht fertig. Zu den herumtreibenden jungen Schulschwänzern auf den staubigen Straßen in Zhangjiachuan Read the rest of this entry »


Warum kann Hongkong nicht, was Singapur kann?

Sunday, 3.11.2013

Warum kann Hongkong nicht, was Singapur kann? Quelle: 纪硕鸣:新加坡能香港为什么不能 (takungpao.com). Von Ji Shuoming 纪硕鸣. Übersetzung: Jessica Mayer.

Unter den vier asiatischen Tigerstaaten ähneln sich Hongkong und Singapur am meisten. In den letzten Jahren aber war es Singapur, das eine stürmische Entwicklung genommen hat. Hongkongs Modell, das ursprünglich auf Augenhöhe mit Singapur war, ist dagegen nicht mehr tragfähig. Read the rest of this entry »


Tigermutter probiert neue Methode

Sunday, 15.9.2013

Um die Unabhängigkeit ihrer Tochter zu fördern, belügt eine Mutter sie mehr als 10 Jahre, indem sie vorgibt, nicht ihre leibliche Mutter zu sein
Übersetzung: Jessica Mayer. Quelle: 母亲为培养女儿独立性 十几年来谎称不是亲妈 (sina.com/sina.com)

Aus Angst, ein gutes Familienumfeld würde die Tochter verwöhnen, fiel der Mutter ein extremes Mittel ein: Für die Entwicklung der Tochter stellte sie sich 13 Jahre lang tot. Read the rest of this entry »


Wo bleibt die kulturelle Blüte?

Friday, 16.8.2013

Warum gibt es in China keinen kulturellen Aufstieg? Quelle: 郑永年:为什么中国没有文化崛起? (21ccom.net) Von Zheng Yongnian 郑永年. Übersetzung: Jessica Mayer.

China ist mittlerweile die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt. Obwohl das durchschnittliche nationale Pro-Kopf-Einkommen noch sehr niedrig ist, hat China doch, gleich wie man es betrachtet, ein wirtschaftsgeschichtliches Wunder vollbracht. Aber gab es auch einen kulturellen Aufstieg? Die Antwort ist ein klares Nein. Read the rest of this entry »


Internet-Sitcom “Evolution of Genius”

Wednesday, 17.7.2013

Besprechung einer Folge einer Internet-Sitcom, die sich witzig mit den Entwicklungsproblemen chinesischer Einzelkinder auseinandersetzt. Von Sima Pingbang 司马平邦, übersetzt von Jessica Mayer. Quelle: sina.com. Videoclip hier.

Bevor das Phänomen der Einzelkinder aufkam, wurde fast jeder in seiner Kindheit oder Jugend von einem strengen Vater gemaßregelt. Ja, uns alle, die wir aus dieser Zeit stammen, verbindet wohl eine gemeinsame Erinnerung: Dein Vater ist dein Feind. Read the rest of this entry »


Wuhan-Restaurant liefert kostenlos Garnelen mit dem BMW

Thursday, 20.6.2013

Vgl. 武汉一餐馆免费为顾客开宝马送外卖大虾 von Guo Shanshan (qq.com). Übersetzung: Jessica Mayer.

In der Hochsaison muss man für Garnelen Schlange stehen, was viele Bürger klagen lässt, es sei nicht einfach, an Garnelen zu kommen. Seit Kurzem wartet ein Garnelen-Restaurant in Wuhan mit einem exklusiven Premium-Garnelen-Lieferservice“ auf. Read the rest of this entry »


Pekings Krankheit ist Chinas Krankheit

Friday, 1.3.2013

北京病,中国病 Von Zhang Liwei 张立伟 (FT Chinese, 6.2.2013). Übersetzt von Jessica Mayer.

Die immer schon von den Chinesen verehrte Hauptstadt Peking ist zu einer “Problemstadt” geworden. Täglich gibt es Staus, die Umweltverschmutzung ist gravierend, die Wohnungspreise sind astronomisch hoch, Read the rest of this entry »


Freie Bahn für unabhängige Kinder

Friday, 1.2.2013

Freie Bahn für unabhängige Kinder Quelle: 不要阻碍孩子的独立 (my1510.cn). Von Yun Zhi 云之. Übersetzung: Jessica Mayer.

Viele der Probleme im Leben des Menschen haben mit Würde zu tun. In der Theorie der Bedürfnisse von Maslov gibt es fünf Stufen; das Bedürfnis nach Würde steht auf der vierten Stufe. Read the rest of this entry »


Baden als Beamtenpflicht

Monday, 28.1.2013

Warum ist es die vornehmste Pflicht eines chinesischen Beamten, seinen Vorgesetzten ins Bad zu begleiten? Quelle: 为什么中国官员的主要工作是陪领导洗澡? (my1510.cn). Von Sun Xiaoji 孙骁骥. Übersetzung: Jessica Mayer.

Viele meiner ehemaligen Schulkameraden haben die Beamtenprüfung bestanden und sind zu den „Erfolgreichen“ in der heutigen Mainstream-Gesellschaft geworden. In ihren Augen gehören wir, die wir uns außerhalb des Systems durchschlagen, zu denen, die eine nicht so gute Perspektive im Leben haben. Hin und wieder aber kommt es vor, dass sich die „erfolgreich“ Gebenden mir Shitizen, zu dem sie normalerweise nicht aufschauen würden, ihr Leid klagen, was sie sonst nirgends tun können. Die meisten Klagen haben mit ihren vagen beruflichen Aufstiegschancen zu tun, und damit, dass es schwer sei, dem Chef zu dienen. Und was dieses Problem betrifft, gäbe es zu viele Konkurrenten, die auf eine Gelegenheit lauern würden. Würde man nicht aufpassen, würde einem eine Chance weggeschnappt.

Ich habe noch nie beim Staat gearbeitet, das meiste, was ich darüber weiss, habe ich mir durch Lektüre und die Medien angeeignet. Die Sache mit dem „dem Chef aufwarten“ habe ich ursprünglich nur für etwas gehalten, was sich Leute, die keine anderen Sorgen haben, in ihrer Mußezeit von der Leber reden. Später aber fand ich heraus, dass es nicht nur Geplauder ist und auch kein Einzelfall, sondern dass so gut wie alle, die im Staatsdienst Karriere machen wollen, ähnliche Sorgen haben. Außerdem verwenden sie einen Großteil ihrer Energie bei der Arbeit darauf, dem Chef zu Gefallen zu sein. Und diejenigen, die sich gut behaupten, achten ganz besonders darauf.

In den letzten Tagen berichteten die Medien von einem Landrat aus der Inneren Mongolei, der ihm Höhergestellte betreute, indem er sie an einem Tag acht Mal in ein Thermalbad begleitete, wo er schließlich kollabierte. Als ich das erfuhr, musste ich sofort an meine sich im Yamen abstrampelnden Schulfreunde denken. Sich innerhalb des Systems durchzuschlagen ist wirklich nicht leicht, man braucht nicht nur einen übermenschlichen Mut, sondern muss sich auch einen guten Körper antrainieren. Sonst schlängeln sie sich zwar durch ihr Beamtenleben, sind aber letztendlich nichts anderes als Diaosi (das chinesische Prekariat).

Auch musste ich dabei an das Buch „Bureaucracy: What Government Agencies Do and why they do it“ von James Q. Wilson denken. Es ist ein Klassiker, der die public policy untersucht. Der Autor analysiert die Funktionsweise der wesentlichen öffentlichen Institutionen in den USA. Obwohl es ausschliesslich die US-Administration behandelt, kann China viele Lehren aus dem Buch ziehen. Denn egal, ob es die Regierung der USA oder Chinas ist und egal, ob es eine vom Volk gewählte oder nicht vom Volk gewählte Regierung ist, gibt es doch einige grundlegende Analogien. Zumindest habe ich durch dieses Buch den systemischen Grund dafür erfahren, warum die Arbeit der chinesischen Beamten hauptsächlich darin besteht, den Chef ins Thermalbad zu begleiten.

Es ist allgemein bekannt, dass selbst in demokratischen Ländern innerhalb der Bürokratie nur sehr wenige Regierungsbeamte in ihr Amt gewählt werden (in China gibt es überhaupt keine). Ernennung, Entlassung und Karriere der meisten Beamten werden innerhalb der Bürokratie entschieden. Wilson ist der Ansicht, dass die durch die „interne Kultur“ der Bürokratie definierten Aufstiegsnormen ein heikles Problem nach sich ziehen, nämlich dass sich die Regierungsbeamten ausschliesslich auf die Faktoren konzentrieren, die karrierefördernd sind und dabei ihre anderen Pflichten vernachlässigen. Diese Karriere-Faktoren entscheiden sich durch die quantifizierbaren Erfolge, die die Regierungsstellen selbst formuliert haben und die ausreichen, um über die Karriere der Beamten zu entscheiden. Folglich herrscht in den Regierungsabteilungen das Greshams Gesetz, nämlich: Arbeit, die messbare Erfolge erzielt, neigt dazu, solche Arbeit zu verdrängen, die nicht-messbare Erfolge erzeugt.

In China ist das BIP ein wichtiges quantitatives Kriterium im Bewertungssystem für die Bürokratie, und das chinesische BIP wird ausgerechnet hauptsächlich von staatlichen Investitionen angetrieben. Entscheidend bei der regionalen Wirtschaftsentwicklung ist es, von übergeordneten Regierungsstellen Politikmaßnahmen, Projekte und Finanzmittel zu erkämpfen.

Bei der Disponierung über Finanzmittel für bedeutende wirtschaftliche Projekte haben in den meisten Fällen die Leiter der übergeordneten Stellen das letzte Wort. Die Nähe der persönlichen Beziehung zwischen niedrigerrangigen Beamten und ihren Leitern ist deshalb außerordentlich wichtig. Sie entscheidet direkt darüber, ob Projekte durchführbar sind oder nicht. Und die Projekte selbst haben wiederum Einfluss auf die Karriere des niedrigerrangigen Beamten.

Innerhalb dieser von der Zentrale zur Lokalebene abwärtsgerichteten abgestuften Kontrolle und dieses von unten nach oben gerichteten abgestuften Verantwortungssystems hat die natürliche Verbindung zwischen BIP-Wachstum und dem „Dienst am Chef“ dazu geführt, dass der Fußwasch-Palast und der Nachtklub zu wichtigen Ressourcen geworden sind, um die Gunst des Chefs zu gewinnen und um das BIP deutlich wachsen zu lassen. Wie kann es innerhalb eines solchen Systems für die chinesischen Beamten noch andere Hauptaufgaben geben, als um jeden Preis den Chef ins Bad zu begleiten?

(…)Der Kern des Problems liegt darin: ob der Badbesuch erfolgreich ist entscheidet darüber, ob die messbare Evaluierung des Beamten in Zukunft deutlich besser ausfällt. Wenn man den Chef einmal für sich gewonnen hat, dann muss man sofort dranbleiben, man muss die Ressourcen einsacken, die Projekte aufstellen und die Investitionen antreiben. Nur so werden die Zahlen gut aussehen und eine zukünftige Beförderung rückt in greifbare Nähe.

Es gibt vielleicht Leute, die dieses System begrüßen: schau her, du musst nur den Chef für dich gewinnen, ihn öfter in den Fußwasch-Palast begleiten und schon werden die Projekte genehmigt und die Wirtschaft erfährt einen Auftrieb. So ein hocheffizientes System ist weltweit einmalig, ist es nicht lobenswert? So ein jeder Moral entbehrendes Lob kann man wie folgt entkräften:

Chinas derzeitiges bürokratisches System ist ein von unten nach oben gerichtetes Verantwortungssystem. Keiner der Beamten, gleich welcher Stufe, muss sich vor einer Wählerschaft verantworten. Man ist nur der übergeordneten Ebene verantwortlich, indem man politische Rekords und Statistiken erzielt, die den Chef zufriedenstellen. Das ist in der Tat hocheffizient. Die Ergebnisse des von Investitionen angetriebenen Wirtschaftswachstums sind auch sehr evident. Aber bitte vergesst nicht, dass das Wesen der Regierung ein anderes ist als das der kommerziellen Institutionen. Ihre Pflicht ist es nicht, Geld zu verdienen, sondern in größtmöglichem Ausmaß der Gesellschaft öffentliche Güter und Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen.

Zu diesen öffentlichen Gütern, die die Regierung eigentlich anbieten sollte, gehört die Ankurbelung der Wirtschaftsentwicklung nicht. Denn die Wirtschaftsentwicklung stützt sich im Grunde genommen auf die Entwicklung des Privatkapitals. Wenn die Regierung damit etwas wuchern kann, dann ist es eine gute Sache.
Aber zu den öffentlichen Gütern, die die Regierung den Menschen anbieten sollte, gehören ein gutes Sozialwesen, eine saubere Umwelt, Rechtschaffenheit der Beamten, usw.. So kann sie das Vertrauen der Wähler generieren. In diesen Aspekten liegt die Effizienz der Regierung mehr oder weniger bei Null.

Genau wie James Wilson sagte: Selbst wenn eine Regierung in ihren Investitionsprojekten eher langsam vorgeht, ist sie, solange sie aufrichtig ist, verantwortungsvoll handelt und angemessen auf den geachteten Wähler eingeht, eine hocheffiziente Regierung. Das dürfte in einem Land, in dem die Beamten ihre Chefs acht Mal täglich ins Thermalbad begleiten müssen, nur ein ferner Traum bleiben.


Die Vorteile des freien Handels mit Boden

Saturday, 29.12.2012

Die Vorteile des freien Handels mit Boden Quelle: 允许土地自由交易的好处 (ftchinese.com). Von Mao Yushi 茅于轼 Übersetzung: Jessica Mayer.

Zwar verfügt China über eine 9,6 Mio. Quadratkilometer große Fläche, doch sind nur 12% davon verwertbares Flachland. Japan ist als bergiges Land bekannt, aber seine Ebenen machen 24% der gesamten Fläche aus. Boden ist ein wesentlicher Produktionsfaktor, und wenn er knapp ist, dann wird von allen Seiten um das Land gekämpft. Read the rest of this entry »


Eine Leere namens Land

Tuesday, 25.12.2012

Eine Leere namens Land Vgl. 有一种空虚叫做农村 (my1510.cn). Von Zhang Zejia 张泽佳. Übersetzung: Jessica Mayer.

Ich denke immer gern an den Kiosk in meiner Heimat zurück. Jedes Mal, wenn ich in meine Heimat zurückkehre, kaufe ich dort ein oder tausche ein paar Höflichkeitsfloskeln mit dem Ladenbesitzer aus, darüber, wie gut das Geschäft laufe, wie gut es der Familie gehe, wie alt die Kinder nun seien, dass sie schon auf das Gymnasium gingen. Jedes Mal sind es im Großen und Ganzen diese Themen. Read the rest of this entry »


Reichenhass

Sunday, 2.9.2012

Warum hassen die Chinesen ihre Reichen so sehr?
Vgl. 中国人为什么如此仇富? Blogeintrag von Zhou Chunyang 风青杨. Übersetzung: Jessica Mayer.

Vor Kurzem berichtete die Presse von dem Fall der Ermordung eines BMW-Fahrers durch einen „Reichenhasser“ durch drei Schnitte in die Kehle. Read the rest of this entry »


Schwarze Liste zur Arzneimittelsicherheit

Wednesday, 29.8.2012

Schwarze Liste zur Arzneimittelsicherheit ab Oktober – Zehnjähriger Branchenausschluss für Verantwortliche möglich Ãœbersetzung des Artikels 药品安全黑名单10月施行 责任人或10年禁入 von Ma Xiaohua 马晓华. Quelle: Di Yi Caijing Ribao (China Business News), 16.8.2012. Ãœbersetzung: Jessica Mayer. Read the rest of this entry »


Auslandsstudium wird zum Massenphänomen

Friday, 10.8.2012

Auslandsstudien von Schülern und Studenten Zusammenfassung des Artikels 90后成留学主力军 调查显示6成人想去美国读书 aus der Zeitschrift “Xiaokang”, erschienen am 6.8.2012 in sina.com.

Die Zahl der im Ausland Studierenden ist in den Jahren von 2008 bis 2011 um jeweils mehr als 20% gewachsen. Read the rest of this entry »


Fluktuation auf dem chinesischen Arbeitsmarkt

Friday, 10.8.2012

Zusammenfassung des Artikels “Berufsleben mit ‘chinesischen Charakteristiken’“ (职场的“中国特色”) von Shuei Shueishuei 谁谁谁, erschienen am 18.7.2012 in der chinesischen Online-Ausgabe der Financial Times.

Nach dem Autor kommt das Hongkonger Consultingunternehmen “Community Business” zu dem Ergebnis, dass ein Drittel der Arbeitnehmer in China sich mit dem Gedanken trägt, den Arbeitsplatz zu wechseln. Read the rest of this entry »


Zuflucht in die Kunst

Tuesday, 7.8.2012

Zusammenfassung des Artikels “Für welche Bilder kann man eine Million anlegen?” (100万投资些什么画?) von Zhou Wenhan 周文翰, erschienen am 9.7.2012 in der chinesischen Online-Ausgabe der Financial Times.

Angesichts eines düsteren Aktienmarkts, unstabilen Immobilienmarkts, tückenreichen privaten Kreditmarkts und einer inflationsbedingten Entwertung der Bankguthaben werde der Kunstmarkt vielfach als vielversprechende Geldanlage gesehen. Read the rest of this entry »


Hongkong – eine Stadt, die Respekt verdient

Sunday, 8.7.2012

香港:一座值得尊重的城市 Blogeintrag von Wei Yingjie 魏英杰, übersetzt von Jessica Mayer.

Wenn man Hongkongs Harbour City verlässt, dann findt man direkt am Hafen einige westliche Restaurants. Bei einer schönen Meeresbrise draußen zu sitzen und auf die schöne Szenerie der Victoria Bay zu blicken, ist ein wahrer Genuss. Read the rest of this entry »


Da kann man nichts machen, es gibt zu viele Chinesen

Thursday, 5.7.2012

Warum glauben die Leute, es gebe zu viele Chinesen? Von Wu Xianghong 吴向宏. Übersetzung: Jessica Mayer. Vgl. 吴向宏:是什么让人感觉“人太多” (Marco Polo Projct/qq.com).
Wenn es in China schwierige Probleme gibt, dann klagen meine Freunde oft: „Da kann man nichts machen. Es gibt zu viele Chinesen.“ Wie der bekannte Wirtschaftswissenschaftler Xu Xiaonian einmal ironisch konstatierte: Read the rest of this entry »


Zeit der Nacktheit – der gläserne Mensch

Thursday, 24.5.2012

Zeit der Nacktheit 全裸时代 Beitrag von Hong Liu 洪流 (Anwalt, Joinway Law Firm) für die Wochenschrift Xinmin Zhoukan, Nr.14, April 2012, S.88. Übersetzung: Jessica Mayer.

Wann hat es angefangen, dass wir alle möglichen Anrufe und SMS unbekannten Ursprungs bekommen und wir gefragt werden, ob wir eine Wohnung kaufen, einen Kredit aufnehmen oder eine Versicherung abschließen wollen? Und die meisten Anrufer kennen sogar unseren Namen. Read the rest of this entry »


Han Han: Etwas Freiheit bitte (2. Aktualisierung)

Saturday, 19.5.2012

Blogeintrag von Han Han 韩寒, 26.12.2011. Übersetzung: Rupprecht Mayer. Quelle: http://blog.sina.com.cn/twocold

In meinem vorletzten Posting habe ich geschrieben, dass jeder eine andere Freiheit will, und im letzten, dass Demokratie und Rechtsstaat Feilschen bedeuten. Ganz gleich wie hoch der Weihnachtsrabatt ist, umsonst kriegt man nichts. Ich fange jetzt mal mit dem Feilschen an. Read the rest of this entry »